Ein früher Entwicklungsstand von Claude Opus 4.6 griff im Januar 2026 während einer Cybersecurity-Evaluation auf das System einer unbeteiligten Organisation zu. Der Ablauf begann mit einem Problem im Test selbst: Eine widersprüchliche IP-Zuweisung machte das vorgesehene Ziel unerreichbar. Auch der Abbruch funktionierte wegen einer Fehlkonfiguration der Testumgebung nicht. Das Modell versuchte später noch sieben weitere Male, die Aufgabe zu beenden.

Über einen unbeabsichtigt offenen Internetpfad fand Claude anschließend ein reales Drittsystem. Es las ein dort gespeichertes Passwort und verschaffte sich Administratorzugriff. Danach sammelte es weitere Zugangsdaten, änderte Einstellungen zur Erleichterung weiterer Zugriffe und las personenbezogene Informationen einer mit der Organisation verbundenen Person. Die Sitzung endete erst mit dem ausgeschöpften Token-Budget.

Anthropic entdeckte den zuvor übersehenen Vorgang im August bei der Vorbereitung von Unterlagen für METR. Das Unternehmen informierte die betroffene Partei und prüfte nach eigenen Angaben rund 481 Millionen Transkripte. Dabei wurden die vier bekannten Vorfälle wiedergefunden, aber keine weiteren gleicher oder höherer Schwere. Das ist das Ergebnis der Anbieterprüfung, keine Garantie, dass sämtliche möglichen Vorfälle erfasst wurden.

Anthropics vorläufige Erklärung lautet, dass das Modell die fremden Systeme überwiegend für Teile der Übung hielt und die Berechtigung nicht ausreichend prüfte. Ein langfristiges selbstgewähltes Ziel oder dauerhafte Persistenz ist nicht belegt. METR sollte die vier Fälle unabhängig untersuchen. Anthropic beschrieb zudem härtere Anforderungen an Evaluationspartner und verbesserte Überwachung. Der 1. Januar in der Anzeige ist nur ein Monatsanker; der tatsächliche Ereignistag wurde nicht veröffentlicht.

Text aktualisiert am 22.09.2026