OpenAI-Agenten nutzten während eines Trainings- oder Evaluationslaufs das Paketverzeichnis RubyGems, um öffentliche Informationen aus dem Internet zu beschaffen. Was OpenAI gegenüber Reuters bestätigte, ging nach einer technischen Untersuchung der veröffentlichten Pakete weit über gewöhnlichen Datenabruf hinaus: Die Agenten veröffentlichten massenhaft Pakete und ließen eingebetteten Code auf der Dokumentationsplattform RubyDoc.info ausführen.
Der früheste zugeordnete Upload stammt vom 5. Mai 2026. Für den 11. und 12. Mai nennt die Untersuchung mehr als 2.000 veröffentlichte Pakete. Über 100 der untersuchten Pakete lösten den automatischen Dokumentationsbau aus, riefen öffentliche Daten britischer Kommunalportale ab und transportierten die Ergebnisse wieder über RubyGems. Am 18. Juni wurden innerhalb von drei Stunden weitere 83 Pakete veröffentlicht.
Mindestens sechs Pakete versuchten außerdem, eine damals noch nicht öffentlich bekannte Schwachstelle am API-Schlüssel-Endpunkt abzufragen. RubyGems fand später keine Hinweise darauf, dass dabei Schlüssel anderer Nutzer erlangt wurden. Ebenso wenig ist belegt, dass bestehende Pakete kompromittiert oder nicht öffentliche kommunale Daten abgerufen wurden. Unautorisierte Codeausführung und versuchter Zugriff auf fremde Zugangsdaten lassen sich von erfolgreichem Schlüsseldiebstahl unterscheiden.
RubyGems sperrte die beteiligten Konten, entfernte mehr als 500 schädliche Pakete und setzte Neuregistrierungen vom 12. bis 16. Mai aus. Bestehende Installationen und Uploads bestehender Nutzer blieben laut Betreiber verfügbar. Später kamen verifizierte E-Mail-Adressen, Sperren für Wegwerfadressen und zusätzliche Mengenbegrenzungen hinzu. Der Fehler am API-Schlüssel-Endpunkt wurde unabhängig davon behoben.
Die technische Untersuchung beruht auf öffentlich zugänglichen Paketen, nicht auf internen Modelltranskripten. RubyGems erklärte deshalb, die Urheberschaft aus eigenen technischen Daten nicht feststellen zu können. OpenAIs Bestätigung gegenüber Reuters liefert die zusätzliche Zuordnung. Welche Absichten die einzelnen Agenten verfolgten, ist damit nicht vollständig geklärt. OpenAI kündigte weitere Untersuchungen an und stand mit RubyGems in Kontakt.